Donnerstag, 27. Oktober 2016

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Aktuelle Themen

Dax und Dow Jones

Crash-Gefahr abgewendet?

Nach der Panik zum Wochenanfang stehen die Zeichen an den internationalen Aktienmärkten erst mal auf Erholung. War der jüngste Kurseinbruch Vorbote eines großen Crashs?
In den USA regierte am Montag zeitweise die blanke Panik am Aktienmarkt. Der US-Leitindex Dow Jones erlebte zwischenzeitlich den größten Tagesverlust seiner Geschichte, am Ende stand ein Minus von 4,6 Prozent zu Buche. Auch der Dax verlor am Dienstag in der Spitze 3,6 Prozent, konnte die Verluste im weiteren Handelsverlauf aber wieder eindämmen. Am Ende belief sich das Minus auf 2,3 Prozent. Mittlerweile haben sich die internationalen Aktienmärkte von ihrem ersten Schock erholt. Der Dow Jones schloss am Dienstag mit einem Plus von 2,3 Prozent, die Crash-Gefahr scheint damit vorerst gebannt. Das Motto für alle Anleger heißt: Ruhe bewahren. Denn genau wie Goldman Sachs sehen auch die Börsen-Experten in Deutschland diesen "Flash-Crash" nicht als Vorbote zu einem großen Börsencrash.

Gesunde Korrektur
"Ich gehe davon aus, dass wir eine Korrektur im Bullenmarkt beobachten und keinen Einstieg in einen Bärenmarkt. Der Bullenmarkt läuft inzwischen seit März 2009, die Bewertungen sind dabei deutlich gestiegen und die Volatilität ist insbesondere in 2017 nochmals gesunken", sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank. Eine Korrektur sei nach den zuletzt deutlich gestiegenen Kursen und der geringen Volatilität überfällig gewesen - schließlich gelten Korrekturen von zehn bis 15 Prozent auch historisch als gesund.

Trotz des zwischenzeitlichen Absturzes glaubt Stephan langfristig an einen Aufwärtstrend: "Realwirtschaftlich sieht das Umfeld robust aus. Die großen Volkswirtschaften werden 2018 voraussichtlich stärker als im Vorjahr wachsen. Strategisch bleibe ich optimistisch und halte an den Kurszielen von 3.000 Punkten beim S&P 500 und 14.100 beim Dax zum Jahresende fest."

Erst mal Ruhe bewahren
Wie lange die Schwächephase am Markt dauern werde, sei allerdings nicht abzusehen, so Stephan weiter. Eine durchschnittliche Korrektur habe in der Vergangenheit meist vier Monate gedauert und die Erholung bis zu vorherigen Kursständen ebenfalls vier Monate. Deshalb sieht zumindest Stephan die aktuelle Marktbewegung "noch nicht als Kaufgelegenheit." Auch hier gilt das Motto: Ruhe bewahren!

"Die Aktienmärkte sollten sich jetzt zunächst austoben wie unerzogene Kinder, bevor man wieder üppig in sie hineingeht", empfiehlt auch Robert Halver. Der Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank glaubt ebenfalls nicht an einen großen Börsen-Crash. "Die Aktienmärkte sind aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht. Allerdings sind Konsolidierungen prinzipiell als gesund zu betrachten, so dass nach diesem kräftigen reinigenden Gewitter wieder mit steigenden Kursen zu rechnen ist." Am soliden fundamentalen Umfeld für Aktien habe sich nichts geändert: "Die Weltkonjunktur wächst so stark wie seit 2011 nicht mehr und die Unternehmensgewinne sprudeln."

Was war der Auslöser des "Flash-Crashs"
Aber wie kam es dann überhaupt zu dem Absturz? Auslöser waren groteskerweise gute konjunkturelle Daten in den USA. Sowohl der Arbeitsmarktbericht also auch der Einkaufsmanagerindex im Dienstleistungssektor in den Staaten war am vergangenen Freitag positiv ausgefallen. Das steigerte die Angst vor weiteren Zinssteigerungsschritten der US-Notenbank. Steigende Zinsen sind Gift für die Aktienmärkte.

Deshalb wetteten viele Spekulanten plötzlich auf fallende Aktienkurse. Der Anstieg der Volatilität wiederum bewog laut Halver, "insbesondere von Algorithmen getriebene Hedge Funds dazu, sich aus Aktien zurückzuziehen, was wie ein Katalysator für den Aktieneinbruch wirkte. So etwas nennt man Flash Crash." Da die US-Börsen immer noch der Richtungsgeber für die restlichen Börsen der Welt sind, stürzte auch der Dax trotz fundamental guter Daten der Unternehmen mit ab.

Wie geht es weiter?
Halver erwartet, dass die Geldmarktpolitik sowohl in den USA als auch im Euroraum vorsichtig wie bisher bleibt und die Zinsen in Übersee nur zaghaft erhöht werden: "Plastisch ausgedrückt: Die Geldpolitik hat nicht die Finanzwelt zehn Jahre lang stabilisiert, um sie dann im 11. Jahr mit einem dicken Zinserhöhungshintern wieder einzureißen."

Er empfiehlt Anlegern die erhöhte Volatilität als Freund zu betrachten: Anleger sollten die starken Schwankungen am Aktienmarkt nicht als Feind, sondern als Freund betrachten. "Die zunehmende Volatilität an den Finanzmärkten schreit förmlich nach Aktiensparplänen, an denen Anleger auch weiterhin unbedingt festhalten sollten. Denn des Anlegers bester Freund ist der Durchschnittskosteneffekt", so Halver. Der Vorteil: "Wenn die Kurse zwischenzeitlich fallen, erhält man bei gleichbleibendem Ansparplan mehr Aktienanteile. Bei wieder steigenden Kursen macht sich das kaufmännische Motto 'Im Einkauf liegt der Gewinn' positiv bemerkbar. Über eine dann verbreiterte Vermögensbasis nimmt man bevorstehende Kurssteigerungen umso stärker mit."

Tipp: Die Nerven behalten und nicht mit Verlust verkaufen. Allerdings sollte man auch nicht übereilt einsteigen, sondern erst eine Beruhigung der Aktienmärkte abwarten. Besonders zu empfehlen sind ETF-Sparpläne. Mit einem Stop-Loss können sich Anleger zudem gegen Kursverluste absichern. Wer bereits ausgestoppt wurde, kann sein Geld erst mal im Tagesgeld parken, um dann wieder einzusteigen, wenn sich die Märkte beruhigt haben.
von Lars Becker
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